Der Secret Lake ist kein natürlicher See. Auf Khmer heißt er Tomnup Tek Krolar, und er ist ein Bewässerungsreservoir, das Ende der 1970er-Jahre unter den Roten Khmer in Zwangsarbeit ausgehoben wurde. Heute liegt er still zwischen Reisfeldern und Pfefferfarmen, direkt neben La Plantation, und Eintritt kostet er nicht. Ohne seine Geschichte ist er ein hübscher See; mit ihr gehört er zu den eindrücklichsten Orten im Umland von Kampot. Hier steht, was belegt ist, was nicht, und wie du ihn mit Respekt besuchst.
Inhalt
Was und wo der Secret Lake ist
Der See liegt im Hinterland zwischen Kampot und Kep, abseits der Hauptstraße und direkt neben der Pfefferfarm La Plantation. Mit dem Tuk-Tuk brauchst du ab Kampot etwa 30 bis 45 Minuten, je nach Strecke und Stopps unterwegs.
Er hat mehrere Namen, was oft für Verwirrung sorgt:
- Tomnup Tek Krolar (auch Boeung Tanop Tek Krolar) ist der einheimische Name. Tomnup bedeutet Damm oder Deich, boeung heißt See.
- Brateak Krola Lake steht auf Google Maps und in manchen Reiseplanern. Unter diesem Namen findest du ihn in der Karten-App.
- Secret Lake ist der englische Spitzname, den Guides und Touranbieter verwenden.
Nicht verwechseln mit den Stromschnellen von Teuk Chhou nördlich von Kampot oder mit dem Stausee Stung Pae: Beide haben ihre eigene, andere Geschichte.
Die Geschichte: was belegt ist
Am 17. April 1975 nahmen die Roten Khmer Phnom Penh ein, bis Januar 1979 beherrschten sie Kambodscha. In diesen knapp vier Jahren leerten sie die Städte, schafften Geld, Märkte und Schulen ab und zwangen fast die gesamte Bevölkerung in landwirtschaftliche Kooperativen. Das Regime wollte die Reisernte schnell steigern und gab Ziele wie drei Tonnen Reis pro Hektar vor. Dafür mussten Menschen im ganzen Land Dämme, Deiche und Kanäle von Hand graben.
Die Arbeit war unmenschlich: vom Morgengrauen bis in die Nacht, bei Hungerrationen, mit kaum oder gar keinen Ruhetagen. Wer als faul oder unzuverlässig galt, wurde bestraft oder getötet. Viele dieser Bewässerungsanlagen waren schlecht geplant und funktionierten nie wie vorgesehen. Schätzungsweise 1,5 bis 2 Millionen Menschen starben in Kambodscha in weniger als vier Jahren, durch Hinrichtungen, Hunger, Erschöpfung und unbehandelte Krankheiten.
Der Secret Lake ist eines dieser Bauwerke. Er wurde Ende der 1970er-Jahre als Bewässerungsreservoir für die umliegenden Reisfelder ausgehoben, von Dorfbewohnern aus der Gegend, die unter härtesten Bedingungen dazu gezwungen wurden. So weit stimmen die Quellen überein.
Viele Familien in Kampot haben in diesen Jahren Angehörige verloren. Für ältere Kambodschaner ist das gelebte Erinnerung, keine ferne Geschichte.
Was wir nicht wissen, und warum wir es nicht wiederholen
Im Netz findest du genaue Zahlen: eine Bauzeit von wenigen Monaten, eine exakte Zahl von Arbeitern, die dabei starben. Sie gehen auf eine einzige, unbestätigte Quelle zurück, deshalb nennen wir sie nicht. Manche Reiseführer schreiben außerdem, der See liege vermutlich über einem Massengrab. Einen Beleg dafür haben wir für diesen See nicht gefunden, also stellen wir auch das nicht als Tatsache dar.
Über einzelne Stauseen wie diesen gibt es nur wenige Unterlagen. Die Bewässerungskampagne der Roten Khmer ist gut erforscht, viele lokale Orte wurden aber nie eigens untersucht. Nennt dir jemand eine dramatische Zahl, auch ein Guide, darfst du ruhig fragen, woher sie stammt. Bei diesem Thema ist Genauigkeit eine Form von Respekt.
Was du heute siehst
Der See ist weit und still. Ringsum liegen Reisfelder und Pfefferfarmen, am Horizont Kalksteinhügel. Im flachen Wasser wachsen Seerosen, und die Stämme abgestorbener Bäume ragen aus dem Wasser. Besucher beschreiben ihn meist als friedlich, und gerade das macht seine Geschichte so eindringlich.
Mit den Jahreszeiten verändert er sich stark:
| Monate | Was dich erwartet |
|---|---|
| Oktober–November | Am vollsten, zum Ende der Regenzeit. Große Spiegelungen, ringsum alles grün. |
| Dezember–April | Trockenzeit. Der Wasserstand sinkt langsam, mehr abgestorbene Stämme ragen heraus. |
| Mai–September | Regenzeit. Der Pegel steigt wieder; nachmittags regnet es oft, vormittags bist du auf der sicheren Seite. |
Die schönste Tageszeit ist der späte Nachmittag: weiches Licht, die größte Hitze ist vorbei. Danach passen die Salzfelder zum Sonnenuntergang. Wie sich die nassen Monate insgesamt anfühlen, steht in unserem Guide Kampot in der Regenzeit.
Anfahrt
- Mit dem Tuk-Tuk: der übliche Weg. Die meisten Fahrer kombinieren den See mit La Plantation nebenan. Weil dort der letzte Rundgang um 16 Uhr beginnt, kommt der See oft direkt nach der Farm. Das letzte Stück führt über Landstraßen.
- Mit dem Roller: auf eigene Faust machbar; such in der Karten-App nach „Brateak Krola Lake“. Die Geschichte kennst du dann nur, wenn du dich vorher eingelesen hast. Prüf außerdem, ob deine Auslandskrankenversicherung Rollerunfälle abdeckt.
- Mit dem Kajak: Das Discovery Center in Kep West bietet Kajaktouren auf dem See an, zwischen den abgestorbenen Bäumen hindurch. Aktuelle Preise und Zeiten erfragst du direkt dort.
Eintritt wird nach unserem Wissen keiner verlangt. Plan 20 bis 30 Minuten für einen Spaziergang und einen Blick über das Wasser ein, länger, wenn du dir Zeit lassen willst.
Lohnt sich der Secret Lake?
Ehrlich gesagt: Als reine Landschaft ist er schön, aber nicht spektakulär. Wer nur Aussicht sucht, staunt am Bokor oder an der Küste von Kep mehr. Er kostet aber nichts, liegt direkt neben La Plantation und ist einer der wenigen Orte rund um Kampot, an denen du vor etwas stehst, das die Roten Khmer Menschen bauen ließen. Hier wird die jüngere Geschichte Kampots greifbar.
Er lohnt sich, wenn du die Geschichte vor Ort hörst, von einem Guide oder von dieser Seite. Eine eigene Fahrt nur für den See lohnt sich weniger.
Respektvoll besuchen
Der Secret Lake ist keine offizielle Gedenkstätte. Begegne ihm trotzdem so, wie du einem Gedenkort zu Hause begegnen würdest.
- Ruhig bleiben. Keine laute Musik, keine Partygetränke am Ufer.
- Überleg dir deine Fotos. Landschaftsbilder sind in Ordnung, Spaßposen passen nicht hierher.
- Frag, bevor du Menschen fotografierst. Rund um den See leben und arbeiten Bauern.
- Dräng niemanden zum Erzählen. Viele ältere Kambodschaner haben diese Jahre selbst erlebt. Wenn jemand erzählen möchte, hör zu; wenn nicht, frag nicht nach.
- Nimm deinen Müll wieder mit.
- Baden: Ob das sicher oder erlaubt ist, können wir nicht bestätigen. Wir würden es lassen.
Mehr erfahren
In Phnom Penh erklären das Genozid-Museum Tuol Sleng (das frühere Gefängnis S-21) und die Gedenkstätte Choeung Ek die Zeit der Roten Khmer ausführlich. Das Documentation Center of Cambodia (DC-Cam) sammelt seit Jahrzehnten Dokumente und Aussagen von Überlebenden. 2018 verurteilte das von den Vereinten Nationen unterstützte Rote-Khmer-Tribunal die beiden ranghöchsten noch lebenden Führer des Regimes, Nuon Chea und Khieu Samphan, wegen Völkermords und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Zur Vorbereitung auf Deutsch: Loung Ungs Erinnerungen Der weite Weg der Hoffnung erzählen diese Jahre aus der Sicht eines Kindes; 2017 wurden sie von Angelina Jolie verfilmt. Der Spielfilm The Killing Fields – Schreiendes Land (1984) zeigt den Fall Phnom Penhs 1975 und die Arbeitslager danach.
Rund um den Secret Lake geht der Tag meist mit La Plantation, den Salzfeldern und dem Höhlentempel Phnom Chhngok weiter. Wie du alles an einem Tag schaffst, steht in unserem Guide Pfefferfarm, Salzfelder, Secret Lake und Höhlentempel; weitere Ideen findest du unter Kampot Sehenswürdigkeiten.
Mit Seth zum Secret Lake
Seth ist in Kampot geboren, seit 12 Jahren Guide und erzählt die Geschichte des Secret Lake selbst, auf Englisch. Der See gehört zu seiner Kampot Landschaftstour im privaten Tuk-Tuk; bei der Nachmittagsvariante erreichst du ihn im späten Licht, direkt nach La Plantation. Interessiert dich vor allem die Geschichte, frag nach einem Tag nach Wunsch: Dein Tag mit Seth. Typisch für einen privaten halben Tag sind etwa 20–25 USD pro Tuk-Tuk; den Festpreis bestätigt Seth dir vorab. Schreib Seth auf WhatsApp (+855 96 694 6137).
FAQ
Warum heißt er Secret Lake?
Das ist ein englischer Spitzname; auf Khmer heißt er Tomnup Tek Krolar. Geheim ist der See nicht, aber seine Geschichte übersieht man leicht, wenn sie einem niemand erzählt.
Ist der Brateak Krola Lake derselbe See?
Ja. Brateak Krola Lake ist der Name, unter dem Google Maps den Secret Lake (Tomnup Tek Krolar) neben La Plantation führt.
Wer hat den Secret Lake gebaut?
Dorfbewohner aus der Umgebung, in Zwangsarbeit unter den Roten Khmer, Ende der 1970er-Jahre. Er wurde als Bewässerungsreservoir für die Reisfelder ringsum ausgehoben.
Kostet der Secret Lake Eintritt?
Nach unserem Stand 2026 nicht. Nur eine Kajaktour mit dem Discovery Center kostet etwas.
Wie viel Zeit brauche ich dort?
20 bis 30 Minuten reichen den meisten. Am besten verbindest du den See mit La Plantation gleich nebenan.



